Öffentliche Diskussion um den Fußballspieler Özil

EIN KOMMENTAR VON CHRISTEAN WAGNER

Die öffentliche Diskussion um den Fußballspieler Özil ist aus dem Ruder gelaufen. Zur Versachlichung müssen daher schlicht einige Fakten wieder ins Bewusstsein gerufen werden:

  1. Özil ist ein hochqualifizierter Fußballer und war in den letzten Jahren zweifellos eine Verstärkung der deutschen Nationalmannschaft.
  2. An dem vorzeitigen Ausscheiden bei der WM in Rußland war Özil nicht mehr und nicht weniger beteiligt als die übrigen Mitglieder der Mannschaft und als der Trainer.
  3. Das weltweit und insbesondere in der Türkei verbreitete Foto von Erdogan und Özil leistete objektiv einen Beitrag zur Unterstützung Erdogans im türkischen Wahlkampf. Ebenso unbestritten ist die Tatsache, dass Erdogan Menschrechte in seinem Lande mit Füßen tritt. Die Erklärung Özils, er habe nicht der Person, sondern dem Staatsamt seinen Respekt erweisen wollen, ist eine nicht sehr plausible Ausrede, weil das eine nicht von dem anderen zu trennen ist.
  4. Die Behauptung, der DFB-Präsident handle in der Angelegenheit Özil aus rassistischen Motiven, stellt eine schwere Beleidigung dar.
  5. Ebenso absurd und aus der Luft gegriffen ist die Unterstellung Özils, bei einem Länderspielsieg sei es die Mannschaft, bei einer Niederlage Özil gewesen.
  6. Auch ein deutscher Nationalspieler türkischer Herkunft muss sich in einem freien Land der öffentlichen Kritik stellen, statt ohne jegliche selbstkritische Einsicht andere zu beschimpfen und sich selbst als Opfer darzustellen.
  7. Özil ist mit seinem außergewöhnlichen Talent in Deutschland in hohem Maße und erfolgreich gefördert worden. Die Integrationsarbeit des DFB und der deutschen Gesellschaft ist insoweit vorbildlich. Andererseits ist es die staatsbürgerliche Pflicht Özils, sich uneingeschränkt mit den Werten unseres Landes zu identifizieren und daher auch zum Beispiel bei Länderspielen die deutsche Nationalhymne mitzusingen, wie dies die Spieler anderer Fußballnationen wie z. B. Frankreich bei ihrer Nationalhymne mit Leidenschaft tun.