Wäre ein Ausstieg aus dem Diesel wirklich umweltfreundlich?

Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um Grenzwerte und Dieselverbote waren am 12. März 2019 etwa 80 Gäste, darunter neben Bundestagsabgeordneten der Union auch Verkehrsexperten und Fachleute aus Wirtschaft und Verbänden, der Einladung des Berliner Kreises  in der Union gefolgt, um im Deutschen Bundestag der Frage auf den Grund zu gehen, inwieweit ein Ausstieg aus dem Diesel zur Luftreinhaltung und damit zum Umweltschutz beitragen könnte .

Sylvia Pantel, Sprecherin des Berliner Kreises, warf in ihrer Einführung einen kritischen Blick auf die Ökobilanz der Elektromobilität. E-Autos seien derzeit keine umweltfreundliche Technologie, denn die benötigten Rohstoffe würden weltweit unter menschenunwürdigen Umständen gewonnen. „Das E Auto ist derzeit  keine  umweltfreundlichere  Alternative zum Diesel. Die Umwelt wird zerstört und die Menschen am anderen Ende der Welt leiden, während wir uns in Deutschland einbilden, eine saubere Technologie zu benutzen“, kritisierte sie. „Von dem fehlenden Plan zur Entsorgung des Sondermülls der umweltschädlichen Batterien ganz zu schweigen. Wir verlagern die Umweltverschmutzung potenziert in ärmere Länder und wissen derzeit nicht einmal, woher der Strom kommt, mit dem wir die E-Autos betanken und wie er gewonnen wird.“

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander Kekulé, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und Facharzt für Laboratoriumsmedizin, erklärte die Entstehung der durch die EU festgelegten und umstrittenen Grenzwerte.[1] Wissenschaftlich fundiert kann und wurde kein Grenzwert festgelegt. Der Wert von 40 Mikrogramm/m3  sei eine gut gemeinte grobe Schätzung aus den 1990er Jahren, die der Politik als Richtwert gegeben worden sei. Es gäbe keinen Beweis dafür, dass die in Deutschland gemessenen höchsten Werte von 40-70 Mikrogramm NO₂ toxisch-schädliche Wirkung hätten. „Die unterschiedlichen festgelegten Werte für Straße und Aufenthaltsorte sind ebenfalls ein Indiz  für deren Willkürlichkeit. Seltsam ist auch, dass das Protokoll über die Vereinbarung der Werte verschwunden ist und man keine schriftlich belegbare Begründung für das Zustandekommen des Wertes mehr auffindet.“ Auch die vom Umweltbundesamt genannte Zahl von über 6000 Toten jährlich sei belegbar zu bestreiten und diene dazu, die Bevölkerung in Angst zu versetzen oder gar einen Hype auszulösen. Diese Zahl entspringe lediglich einer statistischen Betrachtung anhand mathematischer Modelle und belege keinen einzigen Todesfall.

Prof. Dr.- Ing. Matthias Klingner, Verkehrsexperte des Fraunhofer-Institutes in Dresden, wies anhand seiner wissenschaftlichen Untersuchungen nach, dass der Diesel-PKW nicht für die hohen Messwerte verantwortlich ist und einen nicht messbaren minimalen Einfluss auf die Feinstaubbelastung hat.[2] Lediglich 1-2µg/m3 stammten aus dem Auspuff. Der Feinstaubwert wird aber bis zu 120 µg/m3 gemessen. Die Überschreitungen der Feinstaub-Tagesgrenzwerte seien nahezu ausschließlich meteorologisch bedingt und würden stark durch die Wetterbedingungen und die Sonneneinstrahlung beeinflusst. Zudem kritisierte er, dass vielerorts mit falschen Messgrößen und falschen Grenzwerten gearbeitet werde, weshalb Umweltzonen und Fahrverbote für eine wirkliche Verbesserung der Luftqualität absolut wirkungslos seien.

Prof. Dr.- Ing. Ralph Pütz erklärte: „Der Verbrennungsmotor ist sauber, wenn die heute verfügbare moderne Technik angewendet wird. Im Bereich der Nutzfahrzeuge, Busse und Traktoren wurde die Motorentechnik so verändert, dass der Schadstoffausstoß erheblich gesenkt wurde. Auch bei älteren Modellen sind entsprechende Nachrüstungen möglich. Gleiches gilt für PKW“, betonte der führenden Wissenschaftler im Bereich der Fahrzeugtechnik[3] und stellte klar, dass „der eingeschlagene Weg, allein auf Elektrotechnologie zu setzen, der falsche Weg ist. Es ist zusätzlich davon auszugehen, dass sich bis 2030 der Energiebedarf weltweit verdoppeln wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass auch 2050 etwa 37 bis 65 Prozent des Endenergiebedarfs noch nicht-elektrisch sein werden (Gas, Öl, Wasserstoff u.a.). Leider wird heute vordergründig nur in den Elektromotor investiert und nicht weiter auch in Verbrennungsmotoren und Wasserstofftechnologien – das ist ein großer Fehler!“ Seiner Meinung nach müsse es in erster Linie darum gehen, regenerative Energie nutzbar mit der bestehenden Infrastruktur und Technik zu verbinden. Die Wasserstoff-Technologie beispielsweise könne über die bestehende Infrastruktur versorgt werden.

Die heutige eindimensionale Betrachtung der lokalen und globalen Emissionen ausschließlich auf den Fahrbetrieb zu beziehen, führe zu völlig falschen Schlüssen. Prof. Pütz vermisst ein „Systemdenken“, das konsequent die Energie-Erzeugung, Energieverteilung und die Betankung neben der Fahrzeugproduktion und dem Fahrbetrieb berücksichtigt. Er warb für einen sinnvollen Energiemix. Die einseitige Förderung der Elektromobilität führe in eine Technologiediktatur. Dies sei ein Irrweg. Stattdessen müsse die Politik dringend zur Technologieneutralität mit Wirkvorschriften zurückfinden.

„Wir haben eindeutig erfahren, dass die Richtung, die Deutschland eingeschlagen hat, um die Luftqualität zu verbessern und den Klimaschutz zu erhöhen, nicht den gewünschten Erfolg bringen wird und dass durch die Einseitigkeit weder das Ziel erreicht noch die richtigen Maßnahmen ergriffen wurden. Derzeit ist nur sicher, dass dieser unflexible Weg unserer Wirtschaft schadet, ohne einen nennenswerten Beitrag zur Klimaverbesserung, Luftreinhaltung und damit einer sauberen Umwelt zu leisten, resümierte Sylvia Pantel. „Der von der EU beschlossene Grenzwert ist lediglich geschätzt und damit weder wissenschaftlich noch gesundheitlich begründbar, auch wird mit falschen Messgrößen, fiktiven Grenzwerten und der Sorge der Menschen gearbeitet. Eine Reduzierung der Feinstaubbelastung ist durch Fahrverbote und Umweltzonen nicht zu erreichen, da der Autoverkehr nicht Hauptverursacher des Feinstaubs ist, sondern die Sonne und das Klima. Die Dieseltechnologie ist derzeit die ökologisch umweltfreundlichste Technik, allen Unkenrufen zum Trotz.

Die Berichterstattung zu gesundheitsschädlichen Grenzwerten und zum umweltfreundlichen Autofahren scheint zu einer Art Glaubensfrage zu werden, die wissenschaftliche Fakten unberücksichtigt lässt. Aber wenn wir die Umwelt wirklich schützen wollen – es geht dabei im besten Sinne um die Bewahrung der Schöpfung – müssen die Fake-News zur Dieselkrise aufgedeckt werden. Nur in den Elektromotor und nicht auch in Verbrennungsmotoren zu investieren, ist der falsche Weg. Stattdessen sollten wir viele Möglichkeiten nutzen, um einen intelligenten Energiemix zu fördern, der regenerative Energien nutzbar mit den bestehenden Versorgungssystemen verbindet und so ökologisch wie ökonomisch sinnvoll und erfolgversprechend ist. Alle Argumente und Schlussfolgerungen sind durch Studien der Professoren belegt.“

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[1] https://www.zeit.de/2018/46/autoabgase-schadstoffe-feinstaub-auswirkungen-gesundheit-grenzwert

[2] „Wie umweltfreundlich ist der Ausstieg aus dem Diesel?“
und „Fahrverbote für saubere Luft?“,
Prof. Dr.-Ing. Matthias Klingner, Elke Sähn, Fraunhofer-Institut
für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, Dresden

[3] „Wäre ein Ausstieg aus dem Diesel wirklich umweltfreundlich?“
und Studie über Auswirkungen des Entwurfs für die Novelle der
Clean Vehicles Directive 2009/33/EG („EU- Beschaffungs-
richtlinie“) auf die zukünftige Beschaffung von Linien-
omnibussen im deutschen ÖPNV, Prof. Dr.-Ing. Ralph Pütz,
Hochschule Landshut, BELICON –Institut für angewandte
Nutzfahrzeugforschung

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